Mehrteilige Geschichtsserie

Teil 4: Nachkriegswirren

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 waren auch bei der Heidekrautbahn die Zerstörungen erheblich: Gesprengte Brücken, verminte Strecken und Bahnhöfe sowie Beschlagnahmungen durch die Rote Armee, die unter anderem vier Lokomotiven konfiszierte, behinderten den Betrieb. Dennoch konnte ab 13. Juni 1945 wöchentlich ein Zugpaar zwischen Berlin und Basdorf verkehren, ab Oktober bereits täglich drei. Genaue Fahrgastzahlen sind unbekannt, da viele Berliner auf „Hamsterfahrten“ ohne Fahrschein unterwegs waren.

Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bemühte sich rasch um den Wiederaufbau. 1947 wurde bei Kreuzbruch eine hölzerne Behelfsbrücke errichtet; 1948 war Liebenwalde wieder erreichbar. Gleichzeitig erfolgte die Entnazifizierung mit Neubildung von Aufsichtsrat und Vorstand.

Die Blockade Westberlins ab 24. Juni 1948 und der Wiederaufbau des Berliner Güteraußenrings ab 13. Juli 1948 hatten langfristige Auswirkungen. Bis 1958 wurde Westberlin von Karow aus über einen Abschnitt der Heidekrautbahn umfahren.

Zum 1. April 1949 übernahm die Deutsche Wirtschaftskommission für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) die Verwaltung nicht reichsbahneigener Eisenbahnen. Während viele Bahngesellschaften enteignet wurden, blieb die Niederbarnimer Eisenbahn-Aktiengesellschaft formal bestehen, vermutlich wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse und des Widerstands der Westalliierten. Dennoch brachte der Ostberliner Magistrat ihr Vermögen unter Kontrolle. Im Januar 1950 wurden Vorstand Kräwinkel und weitere Mitarbeiter kurzzeitig festgenommen und der Vorstand ausgetauscht, um der Deutschen Reichsbahn den Zugriff auf das Grundvermögen zu ermöglichen.

Am 28. Juni 1950 schloss der neu eingesetzte Vorstand einen Vertrag mit der Generaldirektion Reichsbahn, der ab 1. Juli 1950 die Verwaltung und Nutznießung des NEB-Vermögens durch die Deutsche Reichsbahn regelte. Drei Gebäude blieben bei der NEB, um den Eindruck einer Enteignung zu vermeiden. Ein Vertragspassus sah vor, nach Wiederherstellung der Einheit Berlins eine neue Vereinbarung zu treffen. Die damals erstellte vollständige Inventarliste bildete ab 1991 die Grundlage für die Rückgabe der Vermögenswerte.

Den ausführlichen Artikel zum Teil 4 der mehrteiligen Lesereihe "Nachkriegswirren" lesen Sie hier!

 

Überblick Geschichtsserie

 Teil 1: Gründerjahre einer Bahn | Jetzt lesen

 Teil 2: Wie die NEB zu ihrem Namen kam | Jetzt lesen

 Teil 3: Zwischen Modernisierung, Anpassung und Krieg | Jetzt lesen

 Teil 4: Nachkriegswirren

 Teil 5: Einschnitte und Abzweige | Jetzt lesen

 Teil 6: Wiedererwachen | Jetzt lesen

Teil 7: Regionaler Personenverkehr und klimafreundliche Modernisierung | Jetzt lesen