Mehrteilige Geschichtsserie

Teil 2: Wie die NEB zu ihrem Namen kam

Die „Reinickendorf-Liebenwalde-Groß-Schönebecker Eisenbahn-Aktiengesellschaft“ war schon 1901 ein kaum aussprechbarer Name. Erst Jahrzehnte später wurde daraus die griffigere „Niederbarnimer Eisenbahn“. Dazwischen liegen politische und wirtschaftliche Umbrüche – und die Geschichte einer heute fast vergessenen Industriebahn.

1905 regte der Niederbarnimer Landrat Sigismund von Treskow den Bau einer normalspurigen Anschlussbahn zur Förderung der Industrie in den nördlichen Berliner Vororten an. Die neue Güterbahn führte vom Tegeler Hafen über mehrere Vororte bis zum Magerviehhof in Friedrichsfelde. Der erste Abschnitt der „Kreis-Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde“ ging 1907 in Betrieb, 1908 war die Strecke vollendet und an mehrere Hauptbahnen angeschlossen, darunter in Lübars an die Heidekrautbahn.

Die Industriebahn wirkte als Wirtschaftsmotor: Entlang der Strecke siedelten sich zahlreiche Betriebe an. Bereits 1912 wurden rund 373.000 Tonnen Güter transportiert, die Anlagen mussten erweitert werden und das Netz wuchs mit Nebengleisen auf etwa 33 Kilometer.

Mit der Gründung Groß-Berlins 1920 änderten sich die Eigentumsverhältnisse. Die Industriebahn fiel nun an Berlin, was zu einem Streit mit dem Landkreis Niederbarnim führte. Ein Vergleich von 1925 sah den Verkauf der Bahn an Berlin vor, das sie unmittelbar in die Reinickendorf-Liebenwalde-Groß-Schönebecker Eisenbahn-AG einbrachte. Für die Gesellschaft war die Übernahme finanziell belastend und kam in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. 1927 firmierte sie sich als „Niederbarnimer Eisenbahn-AG“ neu; in den Aufsichtsrat trat später auch Ernst Reuter ein.

Nach 1945, verstärkt durch die Teilung Berlins, verlor die Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde an Bedeutung. Der Güterverkehr ging zurück, die Strecke wurde schrittweise stillgelegt. 1997 fuhr der letzte Güterzug. Heute erinnern nur noch wenige Gleisreste und ein Straßenname in Weißensee an die einstige Industriebahn.

Den ausführlichen Artikel zum Teil 2 der mehrteiligen Lesereihe "Wie die NEB zu ihrem Namen kam" lesen Sie hier!

 

Überblick Geschichtsserie

 Teil 1: Gründerjahre einer Bahn | Jetzt lesen

 Teil 2: Wie die NEB zu ihrem Namen kam

 Teil 3: Zwischen Modernisierung, Anpassung und Krieg | Jetzt lesen

 Teil 4: Nachkriegswirren | Jetzt lesen

 Teil 5: Einschnitte und Abzweige | Jetzt lesen

 Teil 6: Wiedererwachen | Jetzt lesen  

Teil 7: Regionaler Personenverkehr und klimafreundliche Modernisierung | Jetzt lesen