Kloster Lindow

Die verwunschene Klosterruine am Wutzsee verzaubert mit Geschichten und Geheimnissen

Lindow ist so reizend wie sein Name – und seine Geschichte untrennbar mit seinem Kloster verbunden. Benannt ist Lindow nach Lindenaue, dem anhaltinischen Besitz des Grafen von Arnstein und Ruppin, der um 1230 an dieser Stelle ein Zisterzienserinnenkloster stiftete. In seinen Schutz siedelten sich Handwerker und Ackerbauern an. Die auf einer kleinen Halbinsel im am idyllischen Wutzsee gelegenen Ruinen des Konvents und der Klosterkirche lassen erahnen, wir groß und mächtig das Hauskloster der Ruppiner Grafen einst gewesen sein muss. Fontane setzte ihm in seinem Roman „Der Stechlin“ als Kloster Wutz ein literarisches Denkmal und widmete ihm sogar ein Gedicht:

Wie seh ich, Klostersee, dich gern!
Die alten Eichen stehn von fern
Und flüstern, nickend, mit den Wellen.

Und Gräberreihen auf und ab;
Des Sommerabends süße Ruh
Umschwebt die halbzerfallnen Grüfte.

Es war eines der reichsten Klöster der Mark: Ihm gehörten Ländereien, Dörfer, Fischteiche, Seen und Wassermühlen. 1542 wurde das Kloster im Zuge der Reformation in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es 1638 durch kaiserliche Truppen unter Feldherr Gallas zerstört. Seine wertvolle Bibliothek, aber auch weite Teile der Stadt und viele zum Kloster gehörende Dörfer gingen in Flammen auf. Nur die alte Klosterschule aus dem 15. Jahrhundert und das Waschhaus sind vollständig erhalten. Das alte Klostergelände mit seinem efeuberankten Park ist in den vergangenen Jahren restauriert worden. Der von Fontane beschriebene Friedhof und lässt nun wieder die Namen berühmter Äbtissinnen und Dominae erkennen, darunter der von Luise von Zenge, die bis zu ihrem Tod 1855 Domina des Stifts war. Ihre Schwester Wilhelmine von Zenge war von 1800 bis 1802 mit Heinrich von Kleist verlobt, bis der sich „an die Schriftstellerei“ machte und Wilhelmine nicht bereit war, mit ihm in der Schweiz ein bäuerliches Leben zu führen.

Wo heute Andachten, Kurkonzerte und Lesungen unter freiem Himmel stattfinden, soll einst ein unterirdischer Gang vom Keller des Konventgebäudes bis nach Gransee und Zehdenick, ja sogar unter dem Ruppiner See bis nach Neuruppin geführt haben. Der fachgerecht restaurierte Keller kann heute wieder betreten werden. Eine besondere Attraktion ist der im Jahr 2019 angelegte „Garten des Buches“. Etwa siebzig Pflanzen, Sträucher und Bäume, die in Tanach, Neuem Testament und Koran genannt werden, sind im Garten des Buches gepflanzt worden und eröffnen damit einen Zugang zu drei großen Weltreligionen. Der barrierefreie Garten besteht aus einem begehbaren Labyrinth. Dieses soll symbolisch zum Abschreiten verschlungener Lebenswege einladen. Das Labyrinth führt zu einem dreifach veredelten Apfelbaum, der für die gemeinsame Wurzel der drei Religionen und deren unterschiedliche Früchte steht. Auch im Winter kann man hier einige Pflanzen betrachten, zum Beispiel Wacholder und Wein. Direkt neben dem Labyrinth befinden sich ein kleines Weizen- und Roggenfeld. Das Getreide wird im Sommer geerntet, dann werden Friedensbrote daraus gebacken.

Und was wäre ein verwunschenes Kloster ohne die passende Sage? Vor vielen Jahren soll sich ein schönes Lindower Mädchen namens Amelie in den armen Bauernburschen Jakob verliebt haben. Die Eltern des Mädchens, reiche Edelleute, waren gegen die Verbindung und schickten ihre Tochter zur Strafe ins Kloster. Amelie und Jakob konnten einander nicht vergessen – darum  schlich er sich eines Nachts zum Kloster, schabte und kratzte so lange an der Klostermauer, bis ein Stein herausbrach und er seine geliebte Amelie befreien konnte. Niemand hat je wieder etwas von den beiden gehört. Manche sagen, sie seien in dieser dunklen Nacht im Wutzsee ertrunken, andere glauben, sie wären durch den angrenzenden Sumpf entkommen. Heute erinnert die im Wutzsee stehende Skulptur der „schönen Nonne“ an diese Sage. Und es heißt, um Mitternacht könne man es in der Nähe der Klostermauer schaben und kratzen hören.

Unser Tipp: Rundweg um den Wutzsee

Das Kloster Lindow eignet sich als Ausgangspunkt für eine Rundwanderung um den kristallklaren Wutzsee. Malerische Waldwege führen auf rund 7,5 km an der Elefantenbucht und dem Hexentanzplatz vorbei zum Akazienwald – mit herrlichen Ausblicken auf die Ruinen. Der Rundweg führt auch an der historischen Wassermühle, die einst zum Kloster gehörte, und der Skulptur der „schönen Nonne“ vorbei.

Klosterruine in Lindow
Klosterruine in Lindow ©NEB/Katja Tenkoul
Kloster Lindow  ©NEB/Katja Tenkoul
Ruine eines Konventsgebäudes in Lindow ©NEB/Katja Tenkoul
Schöne Nonne im Wutzsee
Schöne Nonne im Wutzsee ©NEB/Katja Tenkoul