Wildpark Schorfheide

Kaum zu glauben, aber die Schorfheide nördlich von Berlin ist Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Wobei die Betonung wohl auf „zusammenhängend“ liegt: Jahrhundertelang war sie ein eingezäuntes Jagdgebiet der jeweils Mächtigen und blieb so weitgehend siedlungsfrei. Inzwischen gehört die Schorfheide zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Im Wildpark Schorfheide können sich die Tiere eines geschützten Daseins erfreuen. In den großzügigen Freigehegen leben all jene Wildtierarten, die in der Schorfheide seit jeher heimisch sind: Rot- und Damwild, Schwarz- und Muffelwild, Fischotter und nun wieder der Wolf. Doch auch solche Tiere sind hier zu sehen, die in hiesigen Wäldern längst als ausgestorben gelten – Wisent, Elch und Luchs. Obendrein züchtet das Wildpark-Team seltene Haustierrassen, darunter Wollschweine und Rauwollige Pommersche Landschafe.

Das rund 100 Hektar große Areal des Wildparks Schorfheide gehörte einst zu einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Friedlich grasen Wisente auf der Weide. Wildpferde, nach ihrem Entdecker Przewalski-Pferde genannt, stürmen über das Gelände. Die Tiere lassen sich auf sieben Kilometer langen Wanderwegen mit Rastplätzen gut beobachten. Auch ein Streichelgehege und ein großer Spielplatz wollen erobert werden.

So viel frische Luft macht Appetit: Die „Kräuterküche“ mit Gastraum und großer Terrasse ist da ein guter Anlaufpunkt. Unter dem Dach des Gebäudes berichtet das Wolfsinformationszentrum des Landes Brandenburg in einer Ausstellung über das Wildtier, das 1996 nach Deutschland zurückkehrte. Hier geht es auch um die Bedeutung des Wolfes für den Menschen im Laufe der Jahrhunderte. Die große Wolfsanlage im Wildpark gibt Einblicke, wie sich das Rudel verhält.

Zurück zum Bahnhof Groß Schönebeck geht‘s auf dem gleichen Weg. Wer müde Füße hat – oder auf dem Hinweg Zeit sparen will –, kann sich in der Ausflugssaison freitags bis sonntags vom Wildpark bequem mit dem HeideLiner fahren lassen. Ob man in Groß Schönebeck ankommt oder abfährt – diese Buslinie ist so getaktet, dass sie immer Anschluss an die Heidekrautbahn (RB27) hat. Schon seit 1901 verbindet diese Bahnstrecke die Schorfheide mit Berlin. Bekannt geworden unter dem Namen „Heidekrautbahn“ fuhren die Züge ursprünglich bis Berlin-Wilhelmsruh. Mit dem Mauerbau 1961 wurde diese Verbindung jedoch gekappt. Nun soll die Stammstrecke wieder reaktiviert und sogar bis Gesundbrunnen geführt werden.

Der Wildpark Schorfheide ist eine barrierefreie Einrichtung. Rollstuhlfahrer erreichen alle Tiergehege über befestigte naturbelassene Wege. Gerade Familien mit Kindern sei der Wildpark als ideales Ausflugsziel empfohlen. Dort können die Kleinen nicht nur Tiere beobachten und ihnen im Streichelgehege richtig nahe kommen, sondern sich auf dem großen Abenteuerspielplatz auch so richtig austoben. Das Besucherhaus und das „Dörfchen“ mit Feldbackofen und Lagerfeuerstelle bieten Platz zum Ausruhen und Speisen.

 

Unser Tipp: Bevor es vom Bahnhof Groß Schönebeck zu Wisent, Wolf und Co. geht, lohnt ein kleiner Abstecher zu ganz anderen Wesen: zu Herrn Fuchs, Frau Elster – und zum Sandmann. Was kaum jemand weiß: In Groß Schönebeck wohnte und wirkte der Schriftsteller Walter Krumbach (1917–1985), der u. a. das bekannte Sandmannlied schrieb und sich die frech-fröhlichen Sprüche von Pittiplatsch, Moppi und den anderen Märchenwaldfiguren ausdachte. Der Sandmännchen-Pfad mit neun Stationen von der Kita Borstel bis zum einstigen Wohnhaus von Walter Krumbach liegt zwar abseits des Weges, doch drei dieser Stationen können Wildpark-Ausflügler ruhig ansteuern, wenn sie mit Kindern unterwegs sind.

 

ANREISE

Die Heidekrautbahn (RB27) bringt Sie schnell und bequem alle zwei Stunden vom S-Bahnhof Berlin-Karow nach Groß Schönebeck. Dort fährt Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertags der HeideLiner (Bus 904) zum Wildpark Schorfheide, alternativ bietet die Reit- & Fahrtouristik Lillge nach Vorbestellung einen Shuttleservice zum Wildpark Schorfheide an – wahlweise mit tierischen 2 PS oder motorisierten 120 PS (Kleinbus). Sportlich Aktive erreichen den Wildpark auch auf einer ca. 3 Kilometer langen Wanderung (ca. 30 Minuten). Der Wanderweg ist durch grüne Wegweiser gekennzeichnet.

Waschbären im Wildpark Schorfheide © Wildpark Schorfheide
Waschbären im Wildpark Schorfheide © Wildpark Schorfheide
Przewalski-Pferde im Wildpark Schorfheide © Thomas Hennig
Przewalski-Pferde im Wildpark Schorfheide © Thomas Hennig
Wisente im Wildpark Schorfheide © Thomas Hennig
Wisente im Wildpark Schorfheide © Thomas Hennig