VON KUMMERSDORF NACH STORKOW (MARK)

Ein historischer Treidelweg, alte Salzstellen und Tonteiche, Maulbeerbäume und Minister-Sortengarten – der Naturpark Dahme-Heideseen hat zwischen Kummersdorf und Storkow (Mark) einiges Interessante zu bieten. Machen wir uns auf den rund 6,5 Kilometer langen Wanderweg.

Vom Bahnhof Kummersdorf geht es durch den historischen Ortskern, vorbei am alten Mühlenteich und dem ehemaligen Mühlengebäude bis zur Schleuse von Kummers dorf. Sie ist eine von drei Schleusen in den Storkower Gewässern, die man auf dem Weg von Berlin zum Scharmützelsee überwinden muss – und die letzte originale Schleuse von 1863 mit Klinkern aus der Königlichen Ziegelei Joachimsthal. Errichtet wurde die Schleuse aber schon viel früher. Sie musste das Wasser auf dem künstlich angelegten Storkower Kanal regulieren. Der Kanal wurde ab 1746 gebaut, denn Preußens König Friedrich II. hatte angeordnet „das Holz aus den königlichen Forsten nicht kostspielig per Achse, sondern mit geringen Kosten auf dem neu anzulegenden Canal nach der Dahme zu schaffen.“ So wurden die Stämme als Flöße aus den königlichen Wäldern des Schwenower Forstes nach Berlin gebracht. Später nahmen auch Ziegel, Braunkohle und Rüdersdorfer Kalk den Wasserweg. 1842 hatte man um Storkow Braunkohle entdeckt, und reiche Lehm- und Tonvorkommen ließen in der Region Ziegeleien wie Pilze aus dem Boden schießen. Berlin boomte und benötigte dringend Baumaterial. Heute verkehren auf dem Storkower Kanal vor allem Sportboote und Ausflugsschiffe.
Doch nicht nur die Schleuse ist etwas Besonderes, auch der Maulbeerbaum aus dem 19. Jahrhundert, ein Naturdenkmal, ist es. Er erinnert an eine Zeit, als die erhoffte Seidenraupenzucht in Brandenburg eigene Naturseide statt der teuren chinesischen bescheren sollte (siehe Kasten Seite 33). Zum Tag des offenen Denkmals vor ein paar Jahren wurde auf dem Gelände ein zweiter Maulbeerbaum gepflanzt.  

Schiffe im Schlepptau
Über die Brücke geht es nun auf die andere Seite des Kanals zu Schauener Straße. Nach ein paar Metern zweigt links die Straße Siedlung Ost ab, die zum alten Treidelweg am Storkower Kanal führt. Der Wasserweg war für Finow-Maßkähne mit 4,54 Meter Breite, 40,06 Meter Länge und 200 Tonnen Ladung ausgelegt. Der Kanal aber hatte kein ausreichendes Gefälle für eine gute Strömung. Und wenn nun auch kein Wind in die Segel blies, wurden die Schiffe am Schlepptau vom Uferweg aus mit Menschenkraft oder von Zugtieren vorwärts gezogen. Später trieben Dampfmaschinen die Schiffe an und damit verloren die Treidelwege ihre Bedeutung. Einige dieser Uferwege aber blieben erhalten und sind heute beliebte Rad- und Wanderwege. Wie der Weg am Storkower Kanal, der vorbei an Feldern, Wiesen und Wäldern führt und schließlich auf den kleinen Ort Philadelphia trifft.
Als ab 1713 hier Franken, Pfälzer, Schlesier und Friesen siedelten, den kargen Boden beackerten und Kartoffeln anbauten, hieß der Ort noch Hammelstall. Der Name aber gefiel den Kolonisten nicht und sie beschwerten sich beim König. Friedrich II. wollte nun die „neue Welt“ Amerika in sein Land bringen und nannte die Siedlung kurzerhand um in Philadelphia.

Auf dem Salzweg
Vorbei an der uralten Eiche in der Ortsmitte, auch sie ist ein Naturdenkmal, führt die Wanderung nun auf den Luchweg. Weiter geht es an einem kleinen, am Ufer dicht bewachsenen „Teich“, aus dem von 1860 bis 1910 Ton geholt wurde, um Ziegel zu brennen. Dort, wo die Luchwiesen beginnen, befindet sich eine alte Obstwiese. Hier pflanzte im Herbst 2017 bei einer Tagung jeder Umweltminister einen typischen Baum aus seinem Bundesland. So entstand der „Minister-Sortengarten“.
Die Luchwiesen in Storkow sind die bedeutendste Binnensalzstelle Brandenburgs. Unterirdische Salzlager künden von einem Meer, wo heute Festland ist. Durch Spalten in den darüber liegenden Tonschichten dringt Salzwasser bis an die Oberfläche. Seltene salzliebende Pflanzen wie Sumpf-Knabenkraut oder Strand-Aster und Vogelarten der Feuchtwiesen wie der Kiebitz lassen sich entdecken. Ein Fischadlerpaar brütet regelmäßig auf einem der hohen Strommasten. Der ausgeschilderte Salzweg führt nun zum Bahnhof Storkow. Wer noch weiterlaufen will, kann durch die Altstadt bummeln oder die Burg Storkow mit dem Besucherzentrum des Naturparks Dahme-Heideseen besuchen.


 

Seidenraupenzucht und Maulbeerbäume

Friedrich II. investierte viel Geld, um in Preußen selbst Naturseide zu produzieren. Dazu waren nicht nur Raupen des Seidenspinners nötig, die sich in einen Kokon von feinsten Seidenfäden einspinnen, bevor sie Schmetterlinge werden. Es mussten auch chinesische Weiße Maulbeerbäume gepflanzt werden. Nur von deren Blättern ernährten sich die Raupen. Viele Bäume aber vertrugen das Klima nicht und Raupen verendeten an unbekannten Krankheiten – das gigantische Projekt scheiterte.


 


Burg Storkow – Besucherzentrum des Naturparks Dahme-Heideseen und Touristinformation

Schloßstr. 6, 15859 Storkow
Tel. 033678 73108
www.storkow-mark.de
April – Okt.: täglich 10 – 17 Uhr
Nov. – März: täglich 11 – 16 Uhr
Schließtage: 24./25.12. und 1.1.

 

Der Ausflugstipp auf dieser Seite stammt aus unserer Broschüre "WunderSchöne Aussichten".

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