VON ZEHDENICK NACH MILDENBERG

Unterwegs zwischen Zehdenick und Mildenberg kommt immer wieder der Spruch in den Sinn: Die Natur braucht den Menschen nicht, der Mensch aber die Natur. Denn urwüchsiger kann eine Wasserlandschaft kaum aussehen. Dennoch ist sie über viele Kilometer von Menschen gemacht. Mitten in diesem Paradies für Pflanzen und Tiere fühlt sich auch der Wanderer als ein Teil der Natur.

Diese Tour allerdings ist nicht ohne, denn sie führt nicht nur rund 15 Kilometer durch die Havel-Landschaft. Ziel ist der Ziegeleipark Mildenberg, ein 42 Hektar großes Gelände mit verschlungenen Wegen, das erobert sein will. Also liegt die Überlegung nahe: wandern zu Fuß oder per Rad? Radler, die ihr eigenes Fahrrad mitbringen, können sich in der Nähe des Bahnhofs auf den Radfernweg Berlin–Kopenhagen begeben und nordwärts der Ausschilderung folgen. Wer sich als Wanderer auf den Weg macht oder sich in Zehdenick ein Fahrrad ausleihen möchte, gelangt über die Bahnhofstraße auf die Berliner Straße, die später den Namen Dammhaststraße trägt. Es geht über den Markt, vorbei am historischen Rathaus, geradewegs auf die markante Hastbrücke über die Havel zu. Wie in alten Zeiten klappt sie sich nach oben, wenn Boote passieren. Jenseits der Brücke sind es noch 100 Meter bis zum Fahrradverleih Ralph Riesenberg.

Durch das Naturschutzgebiet Klienitz
An der Zugbrücke beginnt die Tour entlang der Havel, vorbei am „Stadtgarten“, einem beliebten Ausflugslokal. Auf der Schleusenstraße geht es auf die andere Havelseite zum Treidelweg. Von hier aus zogen Pferde die Havelkähne in die Schleuse. Zwei mit einem Huckel versehene Fußgängerbrücken – daher „Kamelbrücken“ genannt – führen erneut auf die andere Seite der Havel. Hier kann man erstaunt feststellen, dass zu Zehdenick einst ein Schloss gehörte. Es ist heute ein Hotel mit sonniger Terrasse und rustikalem Weinkeller.

Unterwegs zu Biber, Otter und Co.
Dann geht es durch das Naturschutzgebiet Klienitz, der Heimat von Bibern, Ottern und seltenen Wasservögeln. Noch immer folgt die Route dem alten Treidelweg direkt am Ufer der Havel entlang. Nur durch schmale Landstreifen voneinander getrennt, breiten sich neben dem Fluss aufgegebene und inzwischen voll Wasser gelaufene Tonstiche aus. Aus ihnen wurde vor gut einhundert Jahren der Stoff gewonnen, aus dem Berlin erbaut ist.
Der Weg unterquert die Eisenbahntrasse zwischen Oranienburg und Templin und folgt den Gleisen für ein kurzes Stück. Beim Bau dieses Schienenstrangs fanden 1887 Bauarbeiter durch Zufall jenen erstklassigen Ton, der sich als ideal zum Brennen von Ziegeln erwies. Am Schwarzen Weg trifft dann der Wanderweg auf den Radfernweg Berlin – Kopenhagen und folgt ihm bis zum Ziegeleipark Mildenberg. Hier wurden zwei von ursprünglich 30 Ziegeleien unter Denkmalschutz gestellt und für Besucher interessant gemacht.

Ziegeleibahn-Touren durch das Gelände
Bereits der Name „Ziegeleipark“ verrät: Die Besucher erwartet eine weitläufige Landschaft mit vielen Erlebnismöglichkeiten. Wer zum ersten Mal nach Mildenberg kommt, sollte das Angebot annehmen, mit der originalen Ziegeleibahn das einstige Industriegelände zu erkunden. Die Bahn fährt mehrmals am Tag rund 45 Minuten durch den Park. Die Tonlorenbahn dagegen fährt täglich 14.30 Uhr 90 Minuten lang in die Landschaft der stillgelegten Tonstiche. Da sich hier die Natur das Terrain längst zurückerobert hat, gleicht die Fahrt einer kleinen Expedition durch den Urwald. Zudem werden Dampflokfahrten zu besonderen Anlässen angeboten wie zum Märkischen Dampflok-Spektakel Anfang Mai oder zur „Faszination Technik“ Mitte August.
Nach einem ersten Überlick ist es Zeit, sich einige der historischen Bauten und Geräte genauer anzusehen. Da überall auf dem Gelände Informationstafeln Auskunft über Zweck und Bedeutung der Objekte geben, fällt es leicht, sich alles selbst zu erschließen. Viel mehr über die harte Arbeit und das karge Leben der Ziegelarbeiter vor rund 100 Jahren erfährt man in den Museen und Ausstellungen. Die Ausstellung „Bausteine für Berlin“ zum Beispiel nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise in die Blütezeit der Ziegelindustrie. Wer weiß, ob Berlin so schnell zur Metropole gewachsen wäre, hätte es nicht die Ziegel aus Mildenberg gegeben?

Ziegel selbst brennen
Wer möchte nicht selbst einmal mit seinen eigenen Händen Ziegel fertigen? Was früher tägliche Plackerei war, ist heute ein Vergnügen. In Eigenregie kann jeder seinen ganz persönlichen Ziegel aus Ton im Handstrichverfahren herstellen. Nach dem Trocknen werden die Ziegel dann im Herbst gebrannt, und bei erfolgreichem Brand erhält jeder seinen eigenen, fertig gebrannten Ziegel zurück. Am Saisonende heißt es dann: Holt die Ziegel aus dem Ofen! Zum Saisonabschluss können Besucher den „Ofenöffnern“ über die Schultern schauen, denn der Ziegeleipark feiert dann das Feldbrandofen-Fest mit Lagerfeuer und rustikalem Imbiss.
Für den Rückweg raten wir zur gleichen Strecke. Hier gibt es so viel zu sehen, dass es garantiert nicht langweilig wird. An den Wochentagen kann man aber auch ab Mildenberg den Bus 838 zurück nach Zehdenick nutzen, am Wochenende als Rufbus.


 


Fahrradverleih Ralph Riesenberg

Dammhaststraße 50, 16792 Zehdenick
Tel. 03307 310032
www.fahrrad-zehdenick.de
Mo 10 – 18 Uhr, Di – Fr 9 – 18 Uhr, Sa 9 – 12 Uhr


Ziegeleipark Mildenberg

Ziegelei 10, 16792 Zehdenick OT Mildenberg
Tel. 03307 310410
www.ziegeleipark.de
April – Nov.: täglich 10 – 18 Uhr


Tourist-Information Zehdenick

Am Markt 11, 16792 Zehdenick
Tel. 03307 2877
www.zehdenick-tourismus.de
Mitte Mai – Mitte Okt.:  
Mo – Fr. 9 – 17 Uhr, Sa/So 10 – 13 Uhr
Mitte Okt. – Mitte Mai:
Mo – Fr 9 – 16 Uhr

 

Der Ausflugstipp auf dieser Seite stammt aus unserer Broschüre "WunderSchöne Aussichten".

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