HISTORISCHER VERKEHRSWEG UND TECHNISCHES RIESENDENKMAL

Auf ihrem Weg von Eberswalde ins Oderbruch verläuft die Strecke der RB60 parallel zum Finowkanal.

Das ist einer der spektakulärsten Abschnitte im brandenburgischen Bahnnetz. Hier treffen sich zwei Verkehrswege aus sehr unterschiedlichen Epochen. Zum einen die modernen mit Öko-Diesel betriebenen Fahrzeuge vom Typ Regio-Shuttle, die die Strecke bis zum Bahnhof Niederfinow in nur elf Minuten zurücklegen. Zum anderen der Kanal, dessen Geschichte über 400 Jahre zurückreicht. Zu dieser Zeit reisten Personen und Güter noch mühevoll mittels Pferdekutschen oder Ochsenkarren über holprige Wege, die den Namen „Straßen“ noch nicht verdienten. Glücklich war, wer die Fahrt zumindest teilweise per Schiff zurücklegen konnte, das ruhig dahinglitt und das kaum in die Gefahr kam, von Räubern überfallen zu werden. Aber was, wenn zwischen wichtigen Orten kein Wasserlauf vorhanden war?

So begann man 1605 mit dem Bau der ersten Binnenwasserstraße. 15 Jahre später konnten Kähne den rund 40 Kilometer langen Weg zwischen den Stromgebieten der Oder und der Havel und mit Hilfe von zehn Schleusen die 38 Meter des dazwischenliegenden Höhenzuges überwinden. Allerdings brachte nur wenige Jahre später der Dreißigjährige Krieg allen Verkehr zum Erliegen. Aber 140 Jahre nach den Anfängen begann ein neues Zeitalter für den Finowkanal, diesmal von längerer Dauer. Rund um Eberswalde siedelten sich zahlreiche metallverarbeitende Unternehmen an, die auf dem Wasserweg die Rohstoffe erhielten und ihre Produkte absetzten.

Das Finowtal war im 19. Jahrhundert das „märkische Wuppertal“. Als Industriedenkmale sind einige der damaligen Anlagen noch erhalten. Vor 100 Jahren hat der moderne, viel größere Oder-Havel-Kanal die Transportfunktionen übernommen. Der historische Finowkanal hat nun vor allem touristische Bedeutung. Kanuten und Bootsführer teilen sich ihn auf dem Wasser sowie Radfahrer und Wanderer auf dem Uferweg. Am Bahnhof Niederfinow kommen sich Bahntrasse und Finowkanal sehr nahe. Nur ein paar Schritte sind es bis zur Hubbrücke über das Gewässer. Eine kleine Wanderung von 1,5 Kilometern ist es bis zur buchstäblich größten Sehenswürdigkeit der Gegend: dem Schiffshebewerk von Niederfinow. Mit seiner Hilfe überwinden die Schiffe auf dem Oder-Havel-Kanal den Höhenunterschied von 36 Metern in einer „Fahrstuhlfahrt“ von fünf Minuten. Die gewaltige Stahlkonstruktion kann erklettert werden und bietet von ihrer Aussichtsplattform einen fantastischen Blick ins Oderbruch – und auf die Baustelle des neuen Hebewerks.


 


Schiffshebewerk Niederfinow

www.wsa-eberswalde.de


Informationszentrum

Am Fuße des Schiffshebewerkes betreibt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde ein Informationszentrum, in dem die Funktionsweise des alten und des neuen Schiffshebewerkes demonstriert wird.
tägl. 9.30–17.30 Uhr  
Eintritt ist kostenfrei


Besichtigungs- und Hebe-Fahrt

Kurzfahrt durch das Schiffshebewerk Niederfinow und zurück
März bis Oktober: täglich 11, 13, 15 Uhr
Fahrdauer: etwa 60 – 90 Minuten

Anlegestelle Unterhafen
Hebewerkstraße, Anlegestelle Nr. 3

Anlegestelle Oberhafen
An der Schleusentreppe, Anlegestelle Nr. 2

 

 

Der Ausflugstipp auf dieser Seite stammt aus unserer Broschüre "Schöne Aussichten".

Diese und weitere Broschüren und Tipps finden Sie auf unserer Ausflugsseite.