Ohne sie bewegt sich nichts: Triebfahrzeugführer bei der NEB

TriebfahrzeugführerInnen haben Verantwortung für die Sicherheit vieler Fahrgäste und millionenschwere Sachwerte. Und außerdem noch Spaß.

„Wo ich bin, ist vorne“, sagt Stefan Bortfeldt, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Schon als Junge hat er liebend gerne mit seiner Modelleisenbahn gespielt. 
Heute lenkt der 46-Jährige hauptberuflich einen Triebwagen in Dienste der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) und trägt die Verantwortung, dass zahlreiche Menschen sicher und pünktlich ankommen.

Vor 15 Jahren machte der Pankower eine Umschulung vom Telekommunikationselektroniker zum Triebfahrzeugführer. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat – auch wenn Schicht- und Wochenenddienst manchmal dazugehört. So begeistert ist „die original Berliner Pflanze“, dass er nun selber als Ausbilder Menschen jedes Alters an den Beruf heranführt. „Manche haben falsche Vorstellungen, denken: Einfach Gas geben und bremsen, das ist nicht schwer.“ Um Züge zum Ziel zu bringen, gehört aber einiges dazu. In der neunmonatigen Qualifizierung müssen die komplexen elektronischen Sicherheitssysteme durchdrungen, zahlreiche Signale auswendig gelernt werden. Was mit zunehmender Automatisierung nicht mehr benötigt wird, ist Körperkraft. Nur sehr selten müsse er mal selber Hand anlegen, wenn zum Beispiel das automatische Ankuppeln nicht funktioniert und Wagen ausnahmsweise per Hand verbunden werden müssen, sagt Stefan. Köpfchen ist umso mehr gefragt. Auf umweltschonende Fahrweise wird Wert wert gelegt – so soll nicht die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgereizt werden, wenn 100 ausreichen, um den Fahrplan einzuhalten. Bevor es losgeht, muss der Zug innen wie außen auf Sicherheit geprüft werden, zum Beispiel durch einen Bremstest und die Begutachtung des Wagenuntergestells und der Türen. Wobei es technisch unmöglich ist, dass der Zug losfährt, wenn noch eine Tür geöffnet ist. Nach Abschluss der Schicht muss Stefan gelegentlich noch tanken und Öl oder Sand nachfüllen. Sand? „Ja, das ist wichtig“, sagt der Triebfahrzeugführer. In der warmen Jahreszeit bildet sich gelegentlich auf den Schienen ein Schmierfilm aus Blütenpollen und Feuchtigkeit, der „wie Schmierseife“ wirkt. Da sorgt Sand auf dem Gleis für die nötige Reibung. Im Herbst sind auf die nassen Schienen fallende Blätter manchmal ein Problem. Im jährlichen Auffrischungstraining werden unter anderem Reaktionen auf brenzlige Situationen wie diese an einem Simulator geübt.

Unter glücklicherweise idealen Bedingungen geht es heute von Berlin- Lichtenberg nach Templin, Abfahrt 7.51 Uhr von Gleis 17. Stefan mag diese Strecke, die attraktive Blicke in die Brandenburgische Landschaft bietet. „Frühmorgens und in der Dämmerung sehe ich oft Rehe, Wildschweine, Hasen oder Kraniche. Überhaupt ist es schön, raus ins Grüne zu fahren.“, sagt er. Es gibt in diesem Job immer etwas zu erleben, keine zwei Fahrten gestalten sich gleich. Heute klingelt während der Fahrt das Diensthandy. Die Leitstelle ist dran, mit der Bitte, in Löwenberg (Mark) zehn Minuten außerfahrplanmäßig zu warten, damit Fahrgäste aus einem anderen Zug den Anschluss schaffen. Stefan Bortfeldt schnappt sich das Mikrofon und macht eine Durchsage, denn die Fahrgäste zu informieren, gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Die Fahrgäste aus dem verspäteten Zug müssen erst ihre Räder über eine Brücke wuchten, so dass sich der Aufenthalt in Löwenberg, einem der 101 Haltepunkte der NEB, hinzieht. Macht nichts, Stefan hat Geduld, achtet mit einem Blick durch das Seitenfenster darauf, dass die Zusteigenden genug Zeit bekommen, in den ersten Wagen zu steigen, der mit seinem Mehrzweckabteil für den Transport von Rädern zugelassen ist. Die verspäteten Fahrgäste bedanken sich mit einem freundlichen Kopfnicken für das Warten. „Das mag ich, den Kontakt zu den Menschen“, sagt der 46-Jährige. „Und überhaupt: Welcher Junge hat nicht mal davon geträumt, Lokführer zu werden?“ Da die Bedingungen bei der NEB stimmen, ist bei ihm der Traum Wirklichkeit geworden. Was Stefan an seinem Arbeitgeber gefällt: Die Eisenbahner seien eine verschworene Gemeinschaft, helfen sich gerne, wenn es zum Beispiel mal darum geht, eine Schicht zu tauschen. Und nicht zuletzt stimme die Bezahlung. „Das nenne ich wirklich einen Traumjob!“

 

 

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