RB36 RB60 Veranstaltungen Es sind die schönen Dinge
Vor zwei Jahren fing im Potsdamer Nikolaisaal alles an, erzählt Antje Baselau, Geschäftsführerin der Alzheimer-Gesell schaft Brandenburg e. V. Selbsthilfe Demenz. Zusammen mit Musikschaffenden überlegten die Verantwortlichen des Vereins, wie sich ein Kulturerlebnis schaffen ließe, bei dem die besonderen Bedürfnisse von Demenzerkrankten und ihren Familien Platz hätten – ohne auf den Genuss eines abwechslungsreichen Musik-abends verzichten zu müssen. Maximal 45 Minuten, ein kleiner Teilnehmendenkreis, die Stuhlreihen mit extra Abstand gestellt, Liedzettel in großer Schrift: Das war der Rahmen. Zum Welt-Alzheimertag am 21. September 2024 fand „Klang der Erinnerung“ im Nikolaisaal schließlich zum ersten Mal statt – erfolgreich. Dass die Tickets sofort ausverkauft waren, verwundert die Co-Initiatorin nicht. „Menschen mit Demenz möchten so selbstständig und selbstbestimmt wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben und weiter Kulturveranstaltungen besuchen“, so Antje Baselau. Bis heute gibt es zu wenige Angebote. „Wir möchten mehr Möglichkeiten schaffen.“
Im Februar und April zieht die Veranstaltungsreihe also weiter ins Frankfurter Kleist Forum. Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Theaterhauses, war bei einem Konzertbesuch im Nikolaisaal so berührt von dem Zauber dieses Nachmittags, dass er beschloss, das Format in Zusammenarbeit mit der Singakademie Frankfurt auch bei sich anzubieten. Dort findet es – mit viel Platz und Licht – im Foyer statt. Das manchmal strenge Korsett anderer Kulturveranstaltungen passt an diesem Musiknachmittag mit Klassik, Jazz, Filmmusik, Schlager und Volksmusik nicht. Jederzeit von den Plätzen aufstehen, mitsingen und tanzen ist nämlich ausdrücklich erwünscht. Alle dürfen sein, wie sie sind. Es soll ein freudvoller Konzertbesuch werden.
Damit das Konzept funktioniert, werden die Mitarbeitenden für die Veranstaltung vorab von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg geschult. „Wenn alle ein bisschen besser wissen, was für Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen wichtig ist, und sich auf einen offeneren Umgang einlassen, dann ist schon viel getan“, so Antje Baselau. Den Betroffenen positive Momente zu bescheren, ist aus ihrer Sicht das A und O. Deshalb fokussiert sich die Veranstaltung auch nicht auf den Verlust von Fähigkeiten, den eine Demenzerkrankung mit sich bringt, sondern auf die Fähigkeiten, die noch da sind. Sie soll ein Mutmacher sein, bestärken und Energie geben. „Das kann den Krankheitsverlauf verlangsamen“, erklärt Antje Baselau. Gleichzeitig erfahren Angehörige durch die gelöstere Stimmung aufseiten der Demenzerkrankten Entlastung. Denn auch um die Pflegenden geht es bei dieser besonderen Konzertreihe.
„Zu der Veranstaltung kommen viele Menschen, die vorher noch nie Kontakt zu einer Beratungsstelle hatten. Aber wer Angehörige mit einer Demenz betreut, braucht Unterstützung“, weiß Antje Baselau. Darum finden Gäste bei „Klang der Erinnerung“ in Frankfurt auch Vertretende des Vereins vor Ort, die über regionale Unterstützungsangebote zum Thema Demenz informieren. Ziel
ist es, das Kulturformat in Brandenburg weiterzuführen. Auch wenn noch nichts spruchreif ist: Gespräche mit einer weiteren Einrichtung laufen bereits.
Unterstützung möglich
Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V. Selbsthilfe Demenz versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Betroffene und ihre Angehörigen in Brandenburg. Sie bietet Beratung, Unterstützung und Entlastung. Ihre Ziele sind unter anderem, das Verständnis für Menschen mit Demenz zu fördern und die Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung zu verbessern. Montag und Freitag, jeweils von 9 bis 12 Uhr, sowie Mittwoch von 14 bis 17 Uhr ist die telefonische Beratung unter Tel. 0331 27345599 zu erreichen. www.alzheimer-brandenburg.de
28.2. / 26.4. | „Klang der Erinnerung“
Kleist Forum | Foyer, Platz der Einheit 1, Frankfurt (Oder) | 15 Uhr | Tickets 6 EUR | www.kleistforum.de