MIT DER DRAISINE DURCH DIE UCKERMARK

Am Bahnhof Templin geht es raus aus dem Zug – und nach knapp einem Kilometer zu Fuß gleich wieder rauf auf die Gleise. Und zwar zu einer Tour mit Fahrraddraisine und Muskelkraft rund 34 Kilometer nach Hohenlychen und wieder zurück.

Die Bahnstrecke zwischen Templin, Lychen  und Fürstenberg/Havel wurde 1996 mangels Nachfrage stillgelegt. Zum Glück aber blieben die Gleise erhalten und so konnte die Strecke schließlich touristisch genutzt werden. Die Zehdenicker Straße/B109 führt uns vom Bahnhof Templin, dem letzten Halt vor der Endstation, nach links direkt zur Draisinenstation – und schon kann es losgehen mit dem Fahrspaß! Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber unbedingt zuvor eine Draisine buchen. Gestartet wird zwischen 9 und 12 Uhr. Bis zu vier Leute haben Platz – immer zwei strampeln, derweil sich die anderen auf der Bank in der Mitte ausruhen und die Landschaft des Naturparks Uckermärkische Seen genießen. Es geht über den Templiner Kanal, entlang von Feldern, Wiesen und durch den Wald. Lustig wird es, wenn die Schienen eine Straße kreuzen. Dann werden die Draisinefahrer auch noch Schrankenwärter. Unterwegs kann man anhalten, picknicken oder auch Schnellstrampler vorbeilassen, denn die Fahrraddraisine lässt sich leicht aus den Schienen heben.

So führt von der Raststation Alt Placht ein rund ein Kilometer langer, ausgeschilderter Wanderweg zum „Kirchlein im Grünen“, wie die Kirche Alt Placht liebevoll genannt wird. Das Gotteshaus aus Fachwerk liegt im Wald zwischen Templin und Lychen und ist ein Schmuckstück inmitten 500 Jahre alter Linden. Die Kirche errichteten einst hugenottische Glaubensflüchtlinge, die um 1700 in der Uckermark eine neue Heimat fanden. Bis in die 1960er-Jahre hinein für Gottesdienste genutzt, geriet das Kleinod lange in Vergessenheit und verfiel – bis ein Förderverein es wieder herausputzte. Heute finden in und an der Kirche, die täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet ist, auch viele Veranstaltungen statt.

Zum Badestopp lädt im Sommer u.a. die Station Sängerslust ein – zum Zenssee ist es nicht weit. Wer die 17 Kilometer bis Hohenlychen gemächlich durchfährt, braucht etwa zweieinhalb Stunden. Dann bleibt Zeit für einen Bummel durch die Flößerstadt Lychen. Seit 1720 verdienten viele Lychener als Flößer ihr Brot. Sie verbanden die Holzstämme aus den Wäldern zu Flößen und brachten das dringend benötigte Baumaterial auf dem Wasserweg bis nach Hamburg und Berlin. An diese Tradition erinnern heute ein Touristenfloß, das Flößerfest und das Flößermuseum im alten Feuerwehrhaus. Und wer weiß schon, dass aus dem kleinen Lychen auch eine große Erfindung stammt: die Reißzwecke. Der Lychener Uhrmacher Johann Kirsten hatte die Pinne 1902 ausgetüftelt. Überdimensionale Pinnen weisen Gästen heute den Weg durch die Stadt.

Egal, wie weit man mit der Draisine nun gekommen ist – um 14 Uhr drehen alle ihr Gefährt um und radeln wieder zurück. So wird Gegenverkehr vermieden und entspannt kommen alle in Templin an, ein leichter Muskelkater inklusive.

Karl von Drais (1785–1851)

Erfunden wurde die Draisine, ein mit Muskelkraft betriebenes Laufrad, anno 1817 von Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn aus Karlsruhe, der das Zweirad nach sich benannte. Die Draisine gilt als Vorläufer des Fahrrades. Wenig später wurden ähnliche Konstruktionen mit drei oder vier Rädern als Hilfsfahrzeuge auf die Schienen gesetzt und für Streckenkontrollen genutzt.



Erlebnisbahn-Draisinenstation Templin

Zehdenicker Straße 30, 17268 Templin
Tel. 03377 3300850  
www.erlebnisbahn.de


Kirche Alt Placht

www.kirchlein-im-gruenen.de


Flößereimuseum Lychen

Clara-Zetkin-Straße 1, 17279 Lychen
Tel. 039888 499973  
www.floesserverein-lychen.de

Der Ausflugstipp auf dieser Seite stammt aus unserer Broschüre "TraumhaftSchöne Aussichten".

Diese und weitere Broschüren und Tipps finden Sie auf unserer Ausflugsseite.