Entdecken-Schmökern RB61 RB62 RB63 Wandern wie im Märchen

Der Wald erzählt viel über das Zusammenspiel von Mensch und Natur. Der Wanderführer Thomas Röhlinger nimmt die Menschen mit in eine Welt voller Geschichten direkt vor der eigenen Haustür.

„Es ist ein bisschen wie in den alten Märchen: Man kommt anders aus dem Wald heraus, als man hineingegangen ist“, sagt Thomas Röhlinger und fährt fort: „Die Bäume und der Wald verwandeln einen. Sie sagen: ‚Komm mal bitteschön wieder und dann erzähl’ ich dir die nächste Geschichte!‘“ Dahinter verbirgt sich kein naives Naturverständnis, sondern die Faszination darüber, wieviel in der Natur und Landschaft eingeschrieben und ablesbar ist. Das versucht Thomas Röhlinger bei seinen Führungen zu vermitteln.

Die Frage, wie er zum Wandern gekommen ist, scheint gar nicht so leicht zu beantworten zu sein und gleichzeitig doch naheliegend: „Schauen Sie in den Spiegel: Sie bestehen zur Hälfte aus Beinen!“, meinte eine Ärztin bei seiner Zertifizierung zum Wanderführer. Und Thomas Röhlinger ergänzt: „Wir Menschen waren zwei Millionen Jahre unterwegs, immer in Bewegung, erst seit fünf- oder zehntausend Jahren sind wir sesshaft.“ Er selbst hat viel von der Welt gesehen und hat sich beruflich stets gewandelt. Doch irgendwann zog es ihn zurück in die Heimat und da merkte er, dass er von dem, was vor der eigenen Haustür liegt, viel zu wenig weiß. Also ließ er sich zum Natur- und Landschaftsführer und zum Wanderführer ausbilden.

Es ist die erste Saison seiner Selbständigkeit – der Ausgang ist also noch ungewiss. So viel steht fest: Reich wird man als Wanderführer nicht, dafür sind die Recherchen und die Touren selbst zu zeitaufwändig. „Wenn man das in Stundenlohn umrechnet, ist das irre! Aber so kann und sollte man’s nicht sehen.“ Der Reichtum liegt in der Möglichkeit, täglich Neues zu entdecken und den eigenen Wissensdrang zu stillen. Außerdem geht es ihm gesundheitlich besser, seit er permanent draußen unterwegs ist.

Thomas Röhlinger ist zertifiziert für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und den Nationalpark Unteres Odertal. „Wenn man sich so eine Region Stück für Stück erschließt, dann erkennt man, wie alles zusammenhängt und das ist dann sehr faszinierend.“ Er deckt in seinen Touren eine breite Spannweite zwischen Kultur- und Naturgeschichte ab, von Mythen und Sagen, die teilweise bis in die Bronzezeit reichen, über Ortschaften und Wegsteine, bis hin zu Wildtieren wie Biber und Wolf. Als studierter Soziologe, der zudem einen Wirtschaftsabschluss hat, interessieren ihn besonders Machtstrukturen und das Zusammenspiel von menschlichem Handeln und der Natur.

Schließlich haben nicht nur natürliche Phänomene wie Eiszeiten die Landschaft geformt, sondern der Mensch und seine Machtstrukturen. Wer zum Beispiel die Macht hatte, der hatte auch das Vorrecht zur Jagd. So rührten die parkähnlichen Wälder in der Schorfheide von einem Zaun her, der früher das Gebiet eingrenzte. Das Wild sollte sich gezielt dort tummeln, wurde sogar angefüttert, damit prestigeträchtige Hirsche von den jeweiligen Herrschenden erlegt werden konnten. Das führte zum Verbiss des Unterholzes, übrig blieben die hohen Bäume. Auch andere politische Entscheidungen, wie Reparationsleistungen nach den Weltkriegen, sind dem Wald anzusehen. Schnelle Abholzung und Aufforstung führt zu einem anderen Bild des Waldes. „Es dauert zwei, drei, vier Generationen, bis so etwas heilt.“

Zwischen Wirtschaftlichkeit und Ökologie gab es schon immer Konfliktlinien. „Allein mit der Rückbesinnung auf Vergangenes ist es nicht getan. So wird eine moderne Zivilisation nicht zufrieden zu stellen sein,“ meint Thomas Röhlinger. Aber weitermachen wie bisher geht eben auch nicht. „Man muss eine Balance finden zwischen Moderne und Tradition.“ Ein Lösungsweg führt vielleicht durch den Wald, in dem man mit neu geschärften Sinnen die Geschichte und Geschichten ablesen kann. Dann ist es wie in den alten Märchen: „Die Guten reden mit den Tieren. Und die Guten reden mit den Bäumen und die Bäume reden mit ihnen.“ 

 

Geführte Wandertouren im Wald mit Thomas Röhlinger:
 

Grün trifft Stein (RB63)
Jeden 1. Freitag im Monat, ab Kaiserbahnhof Joachimsthal (RB63), 9-13 Uhr, Dauer ca. 4 Std., Länge 10 km, ab 10 Personen, nicht bei Dauerregen. 15 EUR/Person. Anmeldung bis Mittwoch unter Tel. 033361 64646 oder br-joachimsthal(at)web.de.

Grumsin – Einblicke ins Weltnaturerbe (RB61, RB62)
Ganzjährig jeden Sonntag ab Infopunkt Buchenwald Grumsin, Altkünkendorf, 11 Uhr, ca. 3 Std., Länge 6 km, ab 20 EUR/Person, erm. 10 EUR. Anmeldung bis Freitag, 12 Uhr, unter Tel. 03331 29 76 60 oder info(at)angermuende-tourismus.de. Anreise mit RE3, RB61 oder RB62 bis Angermünde, weiter mit dem Rufbus (Tel. 03332 442755) nach Altkünkendorf, Mitte. Umweltbonus: Bei Anreise mit ÖPNV, Rad oder zu Fuß 15 EUR/Person, erm. 7,50 EUR.

 

Sagen, Märchen, Lieder

Für diejenigen, die nicht so gut zu Fuß sind, bietet Thomas Röhlinger ab diesem Winter auch musikalische Lesungen an: Sagen, Märchen, alte Lieder und Geschichte(n) rund um Schorfheide, Uckermark, Odertal – zum Beispiel am 11.12. im Jagdschloss Schorfheide. Ort und Termine über thomasroehlinger8(at)gmail.com.

 

Individuell Wandern in der Schorfheide

Viele spannende Touren zum Selberentdecken finden Sie unter www.schorfheide.de/unterwegs/wandern.html.

 


Bilder auf dieser Seite: Pixabay/Holger Schué | NEB/Katja Tenkoul