Das Verbindende ist die Nachhaltigkeit und Ökologie

Wer von Sarah Phillips` und Richard Hurdings Dachterrasse aus über tiefblaue Seen und dichte uckermärkische Wälder schaut, der versteht, warum das Paar den Wasserturm in Joachimsthal zum Leben auserkoren hat. In der Wahl des Wohnortes hat die 3000-Seelen-Gemeinde am Rande des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin immerhin Barcelona, Lissabon, Berlin und Hongkong ausstechen können. „Manche Besucher bleiben ein bis zwei Stunden auf der Aussichtsplattform, weil der Blick so schön ist“, schwärmt Sarah Phillips. Für ihren Lebenstraum – das Biorama Projekt – gaben die Projektleiterin und der Designer ihre Jobs auf. Sie erwarben und renovierten zunächst den alten Wasserturm und später die Weiße Villa auf dem Gelände. Seit 2006 leben die beiden hier, teilen ihren Dachterrassenblick mit Ausflüglern und organisieren Kunstausstellungen. Ein weiteres Projekt ist bereits in Planung.

Was ist das Biorama Projekt?

„Bio“ steht für das angrenzende Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und „rama" für den Panoramablick von der Aussichtsplattform des Wasserturms. Der Turm ist 21 Meter hoch. Die Besucher können die ganze Region aus der Vogelperspektive überblicken. Bei klarer Sicht kann man bis in das Nachbarland Polen und nach Berlin sehen. Mein Mann Richard hat den Turm 2002 bei einer Radtour entdeckt. Wir haben den Wasserturm zu einem Wohnhaus umgebaut und das Dach als Aussichtsplattform für Besucher geöffnet. Zum Ensemble gehört auch der neue Turm, der  mit einem Fahrstuhl einen barrierefreien Zugang zur Aussichtsplattform gewährt. Zudem haben wir die Weiße Villa aus dem Jahr 1897. Nach einer Instandsetzung konnten wir sie bereits von 2004 an für Kunstprojekte und als Galerie nutzen. In den Jahren 2014 und 2015 haben wir die Villa saniert. Jetzt ist sie wieder Ort für internationale Kunstprojekte und Ausstellungen. Das Verbindende zwischen der Aussichtsplattform, den Kunstprojekten in der Galerie und den Projekten der Zukunft ist, dass sie eine Beziehung zur Nachhaltigkeit und Ökologie haben. Das ist für uns das Biorama Projekt.

Welche Ausstellungen können die Besucher über den Sommer bei Ihnen sehen?

Ab Mitte Juni haben wir eine Ausstellung des britischen Künstlers Jamie Reid. Er ist 69 Jahre alt und hat ein breites Spektrum an Arbeiten von den 1960er Jahren bis heute. Um sie zu zeigen, baut er indianische Tipis. In jedem der Tipis ist ein Teil seiner Geschichte zu sehen. Ab August haben wir eine Ausstellung der Australierin Jacki Parry. Sie ist sehr inspirierend, eine ganz besondere Künstlerin. Jackie Parry baut große Skulpturen aus Papier, die dann bis Ende Oktober zu sehen sind.

Die Schorfheide ist ja an sich schon einen Ausflug wert. Was ist denn der schönste Weg zu Ihnen?

Besucher, die mit der NEB fahren, sollten unbedingt am Kaiserbahnhof aussteigen. Die restaurierte, alte Bahnstation ist ein schönes Gebäude und man bekommt ein Gefühl für die Vergangenheit. Von dort aus sind es nur zwölf Minuten zu Fuß bis zu uns.

Gibt es bereits nächste Projekte?

Wir bleiben unseren Themen Naturschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit treu. Das ist uns schon aufgrund der Nähe zum Naturschutzgebiet Schorfheide-Chorin wichtig. Auf der Suche nach Alternativen für chemisch hergestellte Kunststoffe haben wir ein Material entdeckt, das heißt Zelfo. Zelfo ist ein zu 100 Prozent abbaubarer Zellulosekunststoff ohne Bindemittel. Wir wollen in zwei bis drei Jahren hier ein kleines Forschungszentrum aufbauen und die Entwicklung voranbringen. Dafür werden wir die Gebäude der früheren Ferienanlage zu einer Designfabrik umbauen.

Was wünschen Sie sich für das Brandenburg der Zukunft?

Ich finde, Brandenburg ist so eine tolle Region. Ich hätte gern, dass sie über die europäischen Grenzen hinaus und weltweit bekannter wird und mehr Besucher auch aus den Nachbar- und Partnerländern kommen.

NEB: Vielen Dank für das Gespräch!

Anreise mit der Bahn:

 ab Eberswalde Hauptbahnhof bis Kaiserbahnhof Joachimsthal, dann weiter ca. 15 Minuten zu Fuß.

 

Neue Ausstellung in der Weißen Villa:

19.8. bis 31.10.2016

no book can be a ladder?

kein Buch kann eine Leiter sein? 

Jacki Parry (Künstlerin) und das Greifswald Moor Centrum

Foto: Jacki Parry / Biorama Projekt


Sarah Phillips beschreibt das BIORAMA Projekt.

 

Toller Ausblick vom Aussichtsturm.

Sarah und Richard haben sich mit Herz und Seele dem Projekt verschrieben.